Warum Fräulein Laura freundlich war
Über die Wahrheit des Erzählens, Essay 2006
erhältlich als eBook bei Kindle

Die Unbefangenheit, mit der Petra Morsbach von Wahrheit redet, "frappiert", um ihr Wort aufzugreifen, nicht weniger als der sprachliche Selbstverrat, dem sie nachspüren will. Denn wer, der intellektuell auf sich hält, hätte angesichts einer so apostrophierten Wahrheit nicht ein Lächeln und ein Fragezeichen parat? Wahrheit? - als ob wir wüssten, was das ist. Naiv ist Morsbach indes nicht. Ihre Wahrheit hat Evidenzen. Wer die gewundene Sprache dessen liest, der unbedingt beweisen möchte, was er nicht beweisen kann, der weiß, nein hört, wie Sprache fern der Wahrheit klingt, und wie anders in ihrer Nähe. Und vor solchen Evidenzen wird alle Skepsis gegen eine Definition der Wahrheit blass.
Andreas Dorschel, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Die Essays über Andersch, Reich-Ranicki und Grass sind ein wegweisender Beitrag zur europäischen Erinnerungskultur im 21. Jahrhundert: Morsbach, Angehörige der ersten Nachkriegsgeneration der deutschen Literatur, macht Ernst mit Semprúns Forderung (...), das Gedächtnis der Zeitzeugen, das uns diese in Romanen und Autobiographien hinterlassen haben, „mutig zu entweihen“. Ihre Stilkritik, die urteilt, ohne zu verurteilen, schließt Selbstkritik mit ein und weiß die journalistische Tugend der Objektivität mit ästhetischer Sensibilität zu vereinen.
Morsbachs Essayband „Über die Wahrheit des Erzählens“ knüpft an eine von Ingeborg Bachmann begründete, aber um 1960 abgeschnittene Denktradition an („Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“) und ist eine theoretische Grundlegung der Literaturkritik in der Mediengesellschaft.
Michael Braun, KONRAD-ADENAUER-STIFTUNG